Notfall- und Krisenübungen: Vorbereitet sein heisst auch üben

Notfall- und Krisenübungen

Im Ereignisfall müssen Verantwortliche innerhalb kürzester Zeit Entscheidungen treffen. Dies meist auf Basis einer unvollständigen Informationslage und Unsicherheit. Notfall- und Krisenübungen dienen dazu, die aufgrund von Checklisten, Handbüchern oder Handlungsanweisungen erarbeitete Herangehensweise anhand von simulierten Ereignisfällen anzuwenden – mit dem Ziel, sich bestmöglich für eintretende Ereignisse vorzubereiten.

Viele Organisationen, die sich zwar mit Konzepten auf Notfälle und Krisen vorbereitet haben, werden im Ereignisfall trotzdem überrascht und können nicht immer angemessen reagieren. Gründe dafür können beispielsweise sein, dass konzeptuelle Überlegungen nicht greifen und noch keinem Praxistest unterzogen wurden – die Realität gestaltet sich oftmals anspruchsvoller. Deshalb macht es Sinn, den Umgang mit Notfällen sowie Krisen zu üben und diesen so einfacher und effektiver zu gestalten.

Ziele und Arten von Übungen

Die Kernfrage bei der Vorbereitung von Notfall- und Krisenübungen ist die Festlegung der zu erreichenden Ziele. Diese Ziele sollten im Idealfall auf den Reifegrad der Notfall- und Krisenorganisation, die Anforderungen sowie die verfügbaren Ressourcen abgestimmt sein. Das heisst – vereinfacht gesagt – es geht darum, was mit der Übung erreicht werden soll und für welche Zielgruppe die Übung abgehalten wird. Bezüglich Zielsetzungen können sich Übungen an folgenden Eckpunkten orientieren:

  • Trainieren und Optimieren der ganzen oder geteilten Notfall- und Krisenorganisation
  • Betrachten einzelner (Teil-)Aspekte des Notfall- und Krisenmanagements
  • Überprüfen der eigenen Handlungsfähigkeiten im Ereignisfall
  • Training für das interdisziplinäre Zusammenwirken der verschiedenen Akteure
  • Praxisnahes Festigen der Lage- und Ereignisbewältigungsprozesse
  • Schärfen der Rollen und Kompetenzen von handelnden Akteuren
  • Trainieren des Informationsaustausches
  • Trainieren von Lagebesprechungen
  • Erlenen des Umgangs mit Führungssystemen und deren zielführenden Einsatz
  • Orientieren an aktuellen Ereignissen, um einen Bezug zu schaffen

Notfall- und Krisenübungen lassen sich in verschiedene Typen gliedern:

  • Planübung – ein fiktives Notfall- oder Krisenereignis wird in der Theorie simuliert
  • Stabsübung – ein fiktives Notfall- oder Krisenereignis wird in der Theorie simuliert und durch den verantwortlichen Stab unter möglichst realistischen Bedingungen bearbeitet
  • Stabsrahmenübung – ist eine erweiterte Form der Stabsübung, bei welcher neben dem Notfall- oder Krisenstab gezielt zusätzliche Akteure in die Übung integriert und so die erweiterten Abläufe und Informationsflüsse geübt werden
  • Vollübung – ist eine erweiterte Form der Stabsrahmenübung und somit die umfangreichste Art der Übung, bei welcher möglichst alle Akteure, Schnittstellen und Rahmenbedingungen möglichst realistisch in die Übung integriert werden

Übungen, egal welcher Art bzw. mit welchen Zielen, sollten durch fachkundige Übungshelfer (Beobachter / Schiedsrichter) begleitet und im Nachgang detailliert analysiert, ausgewertet und kritisch besprochen werden. Nur mit einer kritischen Auseinandersetzung der Übung kann ein wirklicher Mehrwert für die Zukunft erreicht werden.

Weniger Unsicherheit durch Übungen

Niemand geht davon aus, dass es tatsächlich zu Notfällen und Krisen kommt. Keine Organisation kann jedoch die Gefahr von Ereignisfällen abstreiten. Deshalb ist es wichtig, sich auf solche Ereignisse vorzubereiten. Notfall- und Krisenübungen bieten einer Organisation einen klaren Mehrwert:

  • Die theoretisch erarbeitete Herangehensweise wird in der Praxis getestet
  • Es lassen sich verschiedene Zielgruppen bzw. Kreise von Betroffenen integrieren
  • Die Awareness für das Thema Notfall- und Krisenmanagement wird gefördert
  • Schwachstellen bzw. Optimierungspotential werden identifiziert
  • Der Notfall- und Krisenstab kann die Zusammenarbeit aktiv üben
  • Erfahrungslernen für die Beteiligten durch die Versetzung in den «Krisenmodus», auch um Überforderung im Ereignisfall möglichst zu vermeiden

Abschliessend lässt sich also festhalten: Notfälle und Krisen lassen sich nicht komplett verhindern. Der Umgang mit ihnen lässt sich jedoch vorbereiten und üben. Notfall- und Krisenübungen bilden deshalb eine gute Ergänzung zu (theoretischen) Schulungen und Workshops und geben im Ereignisfall das notwendige Vertrauen im Umgang mit solchen kritischen Situationen. e-mergency® verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz und bietet deshalb Notfall- und Krisenübungen innerhalb der eigenen Servicelandschaft an. Bei Interesse meldet euch bei uns unter managing.safety@e-mergency.io – gerne besprechen wir eure konkreten Wünsche und Anforderungen und erarbeiten ein für euch passendes Übungsraster.

 

Quelle: Sicherheit. Das Fachmagazin. Ausgabe 11 (2020)

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